Martin Sprenger wird das erste Mal seit fast 40 Jahren nicht mehr die Grünen bei Nationalratswahlen wählen | Foto: © Patricia Marchart

Der bekannte Public-Health-Experte Martin Sprenger wird zum ersten Mal seit 1986 bei einer Nationalratswahl nicht mehr die Grünen wählen. Über die Gründe dafür spricht er mit lucasammann.com.

Als die Grünen 1986 zum ersten Mal bei der Nationalratswahl kandidierten, war für Martin Sprenger klar: „Die wählen wir ins Parlament!“ Zuvor war er bereits bei der Besetzung der Hainburger Au gemeinsam mit Tausenden Demonstranten dabei. Heute sieht er die Grünen – nicht zuletzt aufgrund persönlicher Erfahrungen – deutlich kritischer.

„Es war eigentlich immer eine Tradition der Grünen, mit Kritikern im Gespräch zu bleiben und sich Gegenargumente anzuhören“, sagt der bekannte Gesundheitswissenschaftler, der sich während der Corona-Pandemie immer wieder kritisch zu den exzessiven Maßnahmen der Bundesregierung an den heimischen Schulen äußerte. „Die Grünen sind aber nicht mehr zum Diskurs fähig“, ärgert sich Sprenger vor dem Hintergrund, dass „viele Versuche, mit den Grünen in Kontakt zu kommen, gescheitert sind“.

„Wissenschaftliche Entgleisungen“

„Ich habe bereits per Briefwahl gewählt“, sagt Sprenger im Gespräch mit lucasammann.com. „Jedoch nicht mehr die Grünen“, betont der Gesundheitsexperte. Das habe mehrere Gründe: Einerseits die „inhaltliche Verstörung“ in der Coronazeit samt den „wissenschaftlichen Entgleisungen“ und der „zum Teil menschenverachtenden, jedenfalls aber autoritären Sprache“ der Grünen während der Pandemie.

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Das Fass zum Überlaufen gebracht hätten dann aber die „persönlichen Diffamierungen“ seitens grüner Spitzenrepräsentanten. Einflussreiche Politiker der Grünen hätten bei diversen Auftraggebern sowie bei Medien, in denen er Anfangs noch vorgekommen ist, zu seinen Ungunsten „massiv interveniert“. Explizit nennt Sprenger auch eine Intervention beim öffentlich-rechtlichen ORF.

Anzeige bei Ärztekammer

Ein persönlicher Tiefpunkt sei während der Pandemie auch eine Anzeige aus dem Umfeld der Grünen bei der Ärztekammer gewesen, weil er sich Ende 2021 gegen eine allgemeine Impfpflicht und Anfang 2022 gegen die Wiedereinführung von FFP2-Masken in Schulen ausgesprochen habe. „Auch damit wollte man mir persönlich schaden“, so Sprenger. Die Ärztekammer wäre dann draufgekommen, dass er seit 2009 nur mehr außerordentliches Mitglied sei.  Daher versuchte man ihm, so Sprenger, auf andere Weise juristisch zu schaden: Aufgrund seiner Lehrtätigkeit und ehrenamtlichen Tätigkeit in der Marienambulanz sollte er plötzlich 12 Jahre Kammerbeiträge nachzahlen. Dabei handelte es sich um eine nicht unwesentliche Summe. Zum Glück habe er die Klage der Ärztekammer beim Bezirksgericht abwehren können, da, so Sprenger, „meine Public-Health-Ausbildung für diese Tätigkeiten vollkommen ausreichte.“

Eine Wahlentscheidung zu treffen wäre ihm daher bei dieser Nationalratswahl besonders schwer gefallen. „Es gibt derzeit keine Partei, die meine Sicht der Dinge und die Art, wie ich Politik gerne erleben würde, vertritt“, sagt Martin Sprenger im Telefongespräch. „Ich finde es aber trotzdem wichtig, eine Partei zu wählen und zur Wahl zu gehen“, befindet er.

Lob für die Neos

Auch bei dem sehr persönlichen Thema argumentiert der Wissenschaftler ausgewogen: „Die Grünen haben ja auch vieles richtig gemacht in dieser Legislaturperiode.“ Sprenger nennt etwa das Klimaticket, den Ausbau erneuerbarer Energien, das Informationsfreiheitsgesetz, die Pflegereform oder den Ausbau der Primärversorgung. „Ich wäre vielleicht auch nicht so angefressen auf die Grünen, wenn es diese Debattenverweigerung nicht gegeben hätte. Die ist nämlich für mich ein absolutes No-Go“, befindet er.

Positiv erwähnt Martin Sprenger die „Bereitschaft zum Dialog“, den die Neos hätten. So hätten ihn die Pinken zweimal in den Gesundheitsausschuss als Experte eingeladen und er habe auch jetzt wieder in wenigen Wochen einen Austausch mit der Partei. „Auch wenn ich kein Neos-Wähler bin“, fügt er hinzu. Sein Wahlgeheimnis möchte er bewahren.

Bierpartei „Spaßpartei“

Zum letzten Beitrag auf lucasammann.com zur Bierpartei meint Sprenger – durchaus auch als Mediziner gesprochen: „Das ist eine Spaßpartei. Auch wenn sie in den Nationalrat einziehen sollte, bleibt es eine Spaßpartei. Das wissen wir alle.“ Allgemein befindet er, dass „jede Gesellschaft jene Politik bekommt, die sie verdient“. Wie immer das Wahlergebnis am kommenden Sonntag aussehe: „Das ist ein Spiegelbild unserer Gesellschaft“, schließt Sprenger.     

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Von Lucas Ammann

Lucas Ammann ist Blogger und schreibt hier über Themen, die ihn persönlich betreffen und berühren. Zuvor war er bereits für diverse österreichische Medienhäuser tätig. Mehr unter "Über mich".

Ein Kommentar zu „Martin Sprenger: „Die Grünen wollten mir persönlich schaden““

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