Pressefoto: Lucas Ammann | Bild: © Patricia Marchart

Wie ein Mann freitagabends plötzlich auf mich eingeschlagen hat, ich am Boden lag und wie mutige Maturanten mich gerettet haben. Ein Erfahrungsbericht.

Es war ein netter Freitagabend, den ich mit einem guten Freund in der Therme Wien in Oberlaa verbracht hatte. Entspannt fuhren wir mit der U-Bahn wieder nachhause, gut erholt. Mein Freund fuhr weiter zu sich nachhause in die Innenstadt, ich stieg an einer U1-U-Bahn-Station in Wien 1020 aus und lief zu Fuß nachhause. Einen Weg, den ich gut kenne, er führt durch einen netten Park. In einer Wohngegend, in der man sich keine Sorgen machen muss, dass etwas passiert. Ruhig, lauter friedliche Menschen. Keine Spur von Szenen wie am Wiener Reumannplatz oder am Keplerplatz. Habe ich gedacht.

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Bevor ich in den Park eingebogen bin, fiel mir bereits ein Mann auf, der chaotisch mit seinem E-Roller hin und her fuhr. Viel zu schnell, desorientiert, offenbar auf der Suche nach dem Weg. Er fuhr eine breite Straße entlang, kehrte wieder um, fuhr mich fast nieder, weichte aber aus. Ich beobachtete ihn zunächst nicht genauer, hielt ihn für einen Lieferdienstboten, von denen es in Wien ja zuhauf gibt – und die auch oft viel zu schnell und gefährlich unterwegs sind.

Ich bog in den schon beschriebenen Park ein, als der Mann auf einem Fußweg rechts von mir parallel neben mir fuhr. Er fuhr mit seinem Gefährt auf einen (offenen) Volleyballplatz in diesem Park, etwa bis zur Mitte. Dort blieb er stehen und starrte auf ein digitales Gerät (vermutlich ein Handy, es sah so aus, wie wenn er dort ein Navigationssystem bediente).

Ich hörte währenddessen Musik auf meinen AirPods, hatte also nicht allzu viel davon mitbekommen. Ich merkte aber, wie der Mann zu mir blickte und mich ansprach. Dabei sah es für mich nach wie vor so aus, wie wenn der Mann nach dem Weg fragen wollte. Man kann an dieser Stelle vielleicht sagen, ich habe naiv gehandelt und hätte weglaufen sollen. Vermutlich stimmt das auch. Ich darf jene, die jetzt mit klugen Ratschlägen aufwarten jedoch bitten, zu berücksichtigen, dass der Mann ohnehin den Geschwindigkeitsvorteil seines schnellen E-Rollers hatte. Und vor allem war ich einfach gut drauf, wenig reflektiert, weil ich die Gegend gut kenne und in diesem Moment einfach nichts befürchtete. Klar: In Favoriten hätte ich mich auch anders verhalten.

Dann ging alles ganz schnell. Der Mann verlange „Tschick“ – also wohl (?) Zigaretten – ich wollte weitergehen und sagte sogar noch höflich, ich sei Nichtraucher – und schon schlug der Mann auf mich ein. Mehrmals. Ohne aufzuhören – ich hätte nicht einmal die Gelegenheit gehabt, ihm etwas zu geben, selbst wenn er sich für den Rucksack, den ich trug, interessiert hätte. Er schlug immer weiter, immer auf den Kopf. Das ging alles ganz schnell. Ich hatte natürlich zu Beginn noch die Kopfhörer in der Hand, die ich nun fallen gelassen habe. Vom Angriff war ich völlig überrascht. Nach wenigen Schlägen lag ich am Boden. Der Mann schlug immer weiter auf mich ein.

Mehrmals fehlte ich ihn an, mich in Ruhe zu lassen, ich hätte wirklich nichts dabei. An dieser Stelle könnte man jetzt mutmaßen: Wollte er, dass ich in den Rucksack greife, um die (nicht vorhandenen) Zigaretten zu holen? Möglich, dass er in einem solchen Moment den Rucksack (in dem sich aber ohnehin keine Wertsachen befunden hätten) krallen wollte. Oder, dass er so süchtig danach war und deshalb aggressiv. Oder, dass er mir nicht glaubte, dass ich keine Zigaretten dabei hatte, sich provoziert gefühlt hat und deshalb zugeschlagen hat (was besonders dumm wäre – mal abgesehen davon, dass ich immer die Wahrheit sage und natürlich wirklich Nichtraucher bin). In seiner Welt rauchen vielleicht alle und haben „Tschick“ zu jeder Tages- und Nachtzeit dabei. Möglich. Oder, dass der Mann unter Suchtmitteleinfluss stand.

Als Person des öffentlichen Lebens muss man natürlich immer auch damit rechnen, dass andere Menschen einen erkennen – vielleicht auch Leute, die einen hassen. Der Mann schien mir eher kaum gebildet zu sein, fraglich, ob er überhaupt Medien konsumiert. Das wäre also höchst unwahrscheinlich – ich schreibe das nur, weil mich zahlreiche Menschen auf dieses Risiko immer wieder hinweisen.

Nachdem der Mann bestimmt zehn- bis zwölfmal auf mich eingeschlagen hatte, näherte sich eine Gruppe mutiger Maturanten. Als der Täter diese offenbar (?) wahrgenommen hatte, ließ er von mir ab – ohne Gegenstände entwendet zu haben – und flüchtete auf seinem Gefährt. Er war natürlich sofort über alle Berge. Unwahrscheinlich, dass er gefasst wird.

Eine Anzeige bei der Polizei wurde erstattet. Die Polizei ermittelt wegen des Verdachts der Körperverletzung. Die Maturanten haben das Vorgehen des Täters aus der Ferne beobachtet, sind also Augenzeugen. Sie können keine Angabe zu seinem Erscheinungsbild machen. Meiner Erinnerung nach handelte es sich um einen jedenfalls nicht kleinen Mann südländischen Aussehens, gelockte Haare (vermutlich braune Augen). Er trug irgendeine komische Kopfbedeckung, bei der man aber vorne noch die Haare sah (sie reichte etwa nur bis zur Hälfte des Kopfs) – sein Gefährt hatte vorne (und hinten?) eine abwechselnd farbige LED-Beleuchtung.

Ich bedanke mich bei meinen Lesern für die vielen Zuschriften und Ermutigungen! Bleiben Sie mir gewogen.

Von Lucas Ammann

Lucas Ammann ist Blogger und schreibt hier über Themen, die ihn persönlich betreffen und berühren. Zuvor war er bereits für diverse österreichische Medienhäuser tätig. Mehr unter "Über mich".

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