Soll der Staat für Kinder sparen? | Bild: © Pexels

Wie baut man einem Kind ein finanzielles Fundament? Die USA benennen ein Sparkonto nach ihrem Präsidenten und legen 1.000 Dollar hinein. England hat das Modell erfunden und dann 1,6 Milliarden Pfund liegen lassen. Österreich überlässt die Frage den Banken. Drei Antworten, ein Befund.

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Im Juli 2026 starteten in den USA die sogenannten „Trump Accounts“ offiziell 530A-Konten, steuerbegünstigte Anlagekonten für Kinder unter 18 Jahren mit Sozialversicherungsnummer. Der Staat legt 1.000 Dollar als Startkapital ein, für alle US-Bürger, die zwischen dem 1. Januar 2025 und dem 31. Dezember 2028 geboren wurden. Eltern, Privatpersonen und Arbeitgeber dürfen jährlich bis zu 5.000 Dollar pro Kind einzahlen; Arbeitgeberbeiträge zählen bis zu 2.500 Dollar auf diesen Höchstbetrag an. In bestimmten Postleitzahlgebieten stockt die Michael & Susan Dell Foundation das Konto um weitere 250 Dollar auf. Verwaltet wird das Ganze über eine App mit Investitionsübersicht und Finanzbildungsmodulen. Die Social Security Administration ist direkt in den Anmeldeprozess eingebunden. Das Ziel lautet, Kindern zu helfen, „finanzielle Sicherheit aufzubauen und ein Verständnis für Sparen und Investieren zu entwickeln“. Über den Namen lässt sich streiten. Über die Mechanik kaum.

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England hat das Modell erfunden und dann vergessen

Der britische Child Trust Fund startete 2002. Für jedes Kind, das zwischen dem 1. September 2002 und dem 2. Januar 2011 geboren wurde, legte der Staat einen Gutschein von mindestens 250 Pfund vor. Familien mit niedrigem Einkommen erhielten bis zu 500 Pfund, mit möglicher Aufstockung zum siebten Geburtstag. Das Geld gehört dem Kind, ist steuerfrei und wird erst mit 18 zugänglich. Ab 16 können Jugendliche die Kontrolle übernehmen. Jährlich dürfen bis zu 9.000 Pfund eingezahlt werden. Öffneten Eltern kein Konto, richtete HMRC, die britische Steuerbehörde, automatisch eines ein. Dann kam 2011 die Sparpolitik der Koalitionsregierung: Das Programm schloss für Neueröffnungen, Nachfolger wurde das Junior ISA. Was blieb: über 750.000 junge Erwachsene, die ihre fällig gewordenen Konten bis heute nicht abgerufen haben. Das sind mehr als 1,6 Milliarden Pfund, die irgendwo warten. Seit dem 6. April 2026 verbieten die „Child Trust Funds (Amendment) Regulations 2026“ zudem die Haltung von Krypto-ETNs, börsengehandelten Schuldverschreibungen auf Kryptowährungen, in bestehenden Konten. Bereits gehaltene Positionen dürfen verbleiben. Ein elegantes Instrument, neun Jahre betrieben, dann eingestellt und seither kämpft der Staat darum, die Begünstigten überhaupt zu finden.

Österreich spart, aber ohne staatliches Startkapital

Österreich kennt kein flächendeckendes staatlich gestütztes Anlagekonto für Kinder. Was es gibt, sind Bankprodukte: Die Bank Austria bietet zum Beispiel ein Sparkonto für Kinder bis 13 Jahre mit 4 Prozent Fixzins für zwölf Monate bei Guthaben bis 10.000 Euro. Die Erste Sparkasse führt das „Smart Sparen Sparefroh“ für Kinder bis zehn Jahre mit 4 Prozent bis 4.000 Euro. Die Raiffeisen Stadtbank hat das „Sumsikonto“ für Null- bis Zehnjährige mit ebenfalls 4 Prozent für Neukunden bis 1.999,99 Euro. Auf staatlicher Seite trat am 1. Juli 2026 ein Unterstützungsfonds für Alleinerziehende in Kraft: Familien ohne Unterhalt oder Unterhaltsvorschuss erhalten bis zu 240 Euro pro Kind und Monat. Das Land Burgenland zahlt einen Kinderbonus für einkommensschwächere Familien mit Kindern unter drei Jahren. Das ist kein System, das Vermögen aufbaut. Dieses System stopft nur Lücken. Der Unterschied zu einem staatlichen Startkapital von 1.000 Dollar oder 500 Pfund ist konzeptioneller Art: Wer Kindern Kapital gibt, gibt ihnen eine andere Beziehung zum Markt. Österreich überlässt das den Eltern und den Banken.

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Ein Mann mit Brille und Anzug lächelt in einem Meetingraum.
Bild: © Benedikt Schweizer

Daniel Undeutsch

Daniel Undeutsch (27) ist Experte im IT-Prozessmanagement im Finanz- und öffentlichen Sektor und als Generalsekretär des Transatlantics Club tätig. Der
Projektmanagement-Spezialist befasst sich schwerpunktmäßig mit der digitalen Transformation von Geschäftsprozessen. Er lebt in Wien und beschäftigt sich auf lucasammann.com mit dem Spannungsfeld zwischen technologischer Disruption und bürokratischer Trägheit.

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