ORF im Fokus | Bild: © Lucas Ammann

Der ORF kassiert jährlich rund 900 Millionen an öffentlichen Geldern. Das Programm, das die Zuschauer dafür geliefert bekommen, ist aber höchst mager: Alleine die zwei Hauptsender strahlen heute, Freitag, über 1.500 Minuten alte Filme und Serien sowie Wiederholungen aus. Damit besteht mehr als die Hälfte des ORF-Programms aus alten Sendungen.

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Der ORF rühmt sich oft für sein angeblich so vielfältiges und ausgewogenes Programm mit den ach so zahlreich vorhandenen Eigenproduktionen, von denen die heimische Filmwirtschaft profitieren würde. Davon ist derzeit wenig zu merken. Denn: Das Programm, das der Zuschauer für rund 900 Millionen Euro an öffentlichem Geld geboten bekommt, ist dürftig, wie Auswertungen von LA Media zeigen.

Wie die Rechnung zeigt, strahlt der ORF derzeit überwiegend Wiederholungen sowie alte Serien, Filme und Sendungen aus. Nach dem Frühstücksfernsehen auf ORF 2 startet man dort mit einer Ausgabe von „Silvia kocht“ in den Vormittag, die bereits am Vortag ausgestrahlt wurde. Gefolgt wird die Ausgabe von der Uraltserie „Ein Schloss am Wörthersee“ aus dem Jahre 1990, um kurz nach 11 Uhr geht es mit der Wiederholung von „kreuz&quer“ weiter. Damit nicht genug: ORF 2 sendet zu Mittag gleich die nächste Wiederholung, nämlich jene einer Ausgabe der Reportage „Am Schauplatz“, die heute gleich zweimal wiederholt wurde.

Amerikanische Serien

Das Nachmittagsprogramm auf ORF 2 ist nicht viel besser: Dort finden sich lauter alte Sendungen, nämlich zum Beispiel „Die Rosenheim-Cops“ aus 2011, „Die Bergretter“ aus 2016 oder die Serie „Um Himmels Willen“, auch aus 2016. Im Hauptabendprogramm wird dann „Der Alte“ aus 2023 ausgestrahlt, kurz vor Mitternacht gibt es dann einen Krimi aus 2019 zu sehen. Immerhin: Dazwischen überträgt man live die Bregenzer Festspiele.

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Noch schlimmer ist es auf dem Klamauksender ORF 1: Dort finden sich bereits am Vormittag lauter amerikanische Sendungen, gleich mehrere aus dem Jahr 2021, dann geht es weiter mit der Wiederholung von zwei Quizsendungen vom Vortag. Zu Mittag überträgt man im Unterschichten-TV ORF 1 die Krimis „Death in Paradise“ (2022), gefolgt vom „Kommissar Rex“ aus dem Jahr 2000 im Doppelpack!

1.500 Minuten Wiederholungen

Der Nachmittag steht im Zeichen des Sports, am Abend überträgt ORF 1 den Spielfilm „Hinterholz 8“ aus dem Jahre 1997. Man könnte doch glatt glauben, der ORF wäre im vorherigen Jahrtausend stecken geblieben. Zufall? Immerhin: „Blind ermittelt“ kurz vor Mitternacht ist nur acht Jahre alt (2018).

Die Analyse von LA Media zeigt: Am heutigen Freitag senden alleine die beiden Hauptsender ORF 1 und 2 gemeinsam rund 25 Stunden bzw. über 1.500 Minuten (!) TV-Wiederholungen und alte Sendungen. Ausgewertet wurde dafür der gesamte Tag laut ORF-TV-Programm. Und dabei sind die beiden sündteuren Spartensender ORF 3 und Sport+ nicht miteingerechnet, die derzeit fast vollständig Archivmaterial zeigen.

900 Millionen öffentliches Geld

Zur Erinnerung: Der ORF bekommt jährlich rund 750 Millionen an ORF-Zwangsbeiträgen, dazu kommen staatliche Zuschüsse aus dem Budget sowie öffentliche Inserate, sohin fast 900 Millionen Euro an öffentlichen Geldern für den Staatsfunk. Für dieses Programm? Fraglich.  Im ORF-Gesetz heißt es immerhin in § 4 Absatz 3, dass der ORF in seinem Hauptabendprogramm (20 bis 22 Uhr) „in der Regel anspruchsvolle Sendungen“ zur Verfügung zu stellen hat. Damit sind Dokumentationen, Informationssendungen zu komplexen gesellschaftlichen Themen oder Kultursendungen gemeint.

Sind Sie mit diesem ORF-Programm zufrieden? Schreiben Sie Ihre Meinung unten in die Kommentare!

Von Lucas Ammann

Lucas Ammann ist Blogger und schreibt hier über Themen, die ihn persönlich betreffen und berühren. Zuvor war er bereits für diverse österreichische Medienhäuser tätig. Mehr unter "Über mich".

3 Kommentare zu „900 Millionen für Staatsfunk: ORF 1 und 2 senden heute über 25 (!) Stunden Wiederholungen und alte Sendungen“
  1. Ich bin vor jahren ausgetreten und habe meinen Fernseher verschenkt. Damit habe ich meinen Unmut gegen den ORF und der GIS bekundet. Gegen die Zwangsgebühr habe ich einige E-Mails an Politiker und ORF geschickt, um meinem Unmut darüber Ausdruck zu verleihen. Die Antwort vom ORF war wie erwartet völlig daneben. Darin zählen sie unzählige Sender und Sendezeit auf, die für mich absolut nicht gerechtfertigt sind und den aufgeblähten Apparat schön in Zahlen darstellt. Der ORF gehört privatisiert, er ist nicht reformierbar!

  2. […] Der gestrige Bericht von LA Media über die vielen Wiederholungen auf ORF 1 und 2 mit insgesamt über 25 Stunden hat für großes Aufsehen gesorgt: Nicht nur in den sozialen Medien wurde das miserable Programm des ORF kritisiert. Die Story war gestern am Abend über mehrere Stunden Online-Aufmacher auf oe24.at, einem der größten Nachrichtenportale des Landes. […]

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