Massenhaft Pakte zu Weihnachten: Ein Problem für die Post. | Sybolbild © Unsplash

Die Post hatte in den vergangenen Jahren immer wieder verschiedenste Probleme – nun habe ich die Auswirkungen davon auch zu spüren bekommen. Eine kleine Geschichte über unsere Post.

Letztens schrieb ich an dieser Stelle über mein neues Studium und den Umzug in meine neue Wohnung. Kurz ging ich auf Probleme mit der Postzustellung ein und meinte, meine Leser sollen sich doch bei mir melden, wenn sie eine Geschichte über die Österreichische Post AG zu erzählen hätten. Und es kamen Zuschriften, die es in sich hatten. Der Reihe nach.

Paket macht eine Weltreise

Zunächst einmal zu meiner Geschichte. Bei mir wollte vor allem die Paketzustellung nicht klappen. Kurz nach dem Umzug braucht man natürlich so manches Utensil, an das man vor dem Einzug nicht gedacht hatte. Hat man kein Auto, greift man – gerade als junger Mensch – heutzutage gerne auf Onlinebestellungen in diversen Internetshops zurück. Praktisch, zumindest, wenn die Pakete dann auch tatsächlich ankommen. Doch so weit sollte es dann doch nicht so schnell kommen. Das erste Paket landete bei einem Nachbar in einem anderen Stockwerk. Glücklicherweise war der nette Nachbar so freundlich und nahm das Paket entgegen. Als er feststellte, dass die Zusendung nicht für ihn war, informierte er mich über die zufällig (oder auch nicht) auf dem Paket aufgedruckte Telefonnummer, die dann zu mir führte.

Neues Paket, neues Problem. Das nächste Paket war eine Zusendung einer Verwandten aus meiner Heimat Vorarlberg. Meine Verwandte verwendete für die Anschrift einen Aufkleber, der sich – laut Auskunft der Post – „von selber löste“. Laut der eigenen Sendungsverfolgung der Post hat die Sendung bereits folgenden Weg hinter sich: Das Paket wurde am 27. November aufgegeben, am 28. November war es dann in Niederösterreich – vermutlich in einem Postverteilungszentrum. Also schon fast am Zielort (Wien).

Doch von Niederösterreich machte sich das Paket wieder auf den Rückweg nach Vorarlberg, wo es laut dem Sendungsverlauf der Post am 30. November ankam. Erst dort wurde am selben Tag ein „Anschriftsproblem“ festgestellt. Mehrmals versuchte meine Verwandte, an das Paket zu kommen. Vergeblich – sie war weder in der Post-Filiale, noch bei der Beschwerde-Hotline der Post erfolgreich.

„Beschweren Sie sich etwas unfreundlicher!“

In der Zwischenzeit wurde das Paket wieder nach Wien geschickt – und dort am 7. Dezember „im Postlager eingelagert“, wie es in der Post-App hieß. Die letzte Meldung stammt vom 16. Dezember. Das Paket scheint wieder in Vorarlberg zu sein, dort ist es jetzt (zum x-ten Mal) „in Verteilung“. Die Sendung ist bis heute weder bei mir – noch bei meiner Verwandten – aufgetaucht.

In Wien machte ich ähnliche Erfahrungen: Die von mir erteilte Abstellgenehmigung wurde stets ignoriert, was ärgerlich ist, wenn man oft nicht zuhause ist. Mittlerweile habe ich einen Weg gefunden, der Paketbote ist wahrscheinlich gar nicht Schuld. Seit ich einen Zettel auf meiner Wohungstüre mit der Aufschrift „Pakete bitte abstellen – vielen Dank“ kleben habe, wird die „Abstellgehmigung“ berücksichtigt – die Post hatte schlicht die Genehimgung nicht entsprechend weitergeleitet.

Mehrere Anrufe bei der Hotline waren vergeblich, bei einer Post-Filiale sagte man mir, ich solle mich „etwas unfreundlicher bei der Hotline beschweren“, das helfe. Das war übrigens nicht zynisch gemeint, ich war – wie meistens – sehr höflich mit dem Personal in der Filiale (zumal diese nichts für die Zustände in dem Konzern können).

„Hätte fast meinen Einberufungsbefehl fürs Militär verpasst!“

Vergangene Woche informierte mich die Post übrigens am Dienstag, 12. Dezember per E-Mail, dass sie am Montag, 11. Dezember ein Paket zustellen werde (ja, im Futur verfasst). An besagtem Montag war natürlich kein Paket gekommen, dieses traf dann am Dienstag ein.

Doch meine kleine Geschichte scheint dabei noch wirklich harmlos zu sein. Zumindest im Vergleich zu dem, was mir der eine oder andere Leser schilderte. Leser Florian hätte fast seinen Einberufungsbefehl verpasst, weil die Post den Brief offenbar verschlampte. „Sieben Tage vor der geplanten Einrückung habe ich ihn dann bekommen“, ärgert er sich. Dabei wär der Brief ganze zwei Monate unterwegs gewesen, so der Leser.

Nicht viel Positiveres berichtet Philipp aus Wien: „Es ist mir schon öfter passiert, dass der Postler das Paket direkt in die Paketbox gegeben hat und nicht geläutet hat, obwohl ich zuhause war. Wir mussten dann ein recht großes und schweres Paket (Inhalt: eine Nähmaschine) durch den dritten Bezirk schleppen.“ Auch die Personalsituation in den Postfilialen bemängelt er: „Wir mussten dann eine halbe Stunde in der Filiale warten, um das Paket ausgehändigt zu bekommen.“ Philipp hat aber Verständnis für die Angestellten der Post, die sich „mit unfreundlichen Kunden herumärgern müssen“. Er fragt sich zurecht: „Wieso ist die Infrastruktur der Post so mangelhaft?“

Brief geöffnet?

Auch eine Mitarbeiterin eines Unternehmens in Vorarlberg meldete sich bei mir, auch sie musste sich mit der Post schon das eine oder andere Mal herumärgern. „Wir haben von einem Kunden ein großes A4-Kuvert erhalten. Als es ankam, war es sichtlich bereits geöffnet und wieder verschlossen worden. Die große Überraschung: Der Inhalt fehlte!“, schildert Frau S. Eine entsprechende Beschwerde in der Post-Filiale habe man erst entgegengenommen, als sie mit der Polizei gedroht hätte. Auch sie beschwert sich über unfreundliche Post-Mitarbeiter.

Auch wenn sich Einzelnachweise zu den Fällen nicht immer rekonstruieren lassen, sind die Schilderungen glaubwürdig: Denn auch die Massenmedien berichten immer wieder über Probleme mit der Post. Die Post verweist Medienanfragen immer wieder auf Personalprobleme, Krankenstände und massive Anstiege bei den Paketbestellungen. Dabei dürfte vor allem die Überforderung der Postbediensteten groß sein: In Ybbs (NÖ) soll vor kurzem ein Postler säckeweise Briefe und Pakete gesammelt und entsorgt haben. Jetzt wurde er wegen Amtsmissbrauch angezeigt.

2,4 Millionen für Post-Vorstand

Die Überforderung und der Personalmangel könnte auch an der schlechten Bezahlung liegen: Die Post zahlt für einen Zusteller in Wien 2.200 Euro brutto im Monat, das sind gut 1.600 Euro netto im Monat. Für den kleinen Angestellten bleibt nur mehr wenig über, während die Chefetage üppig verdient: 2,4 Millionen Euro verdiente der durchschnittliche Post-Vorstand (Stand: 2019). Pikant dabei: Die Österreichische Post AG ist mehrheitlich über die ÖBAG in staatlichem Eigentum. Der Finanzminister ist oberstes Organ für die Postbehörde. Vielleicht nimmt er sich der Sache ja mal an.

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Von Lucas Ammann

Lucas Ammann ist Blogger und schreibt hier über Themen, die ihn persönlich betreffen und berühren. Zuvor war er bereits für diverse österreichische Medienhäuser tätig. Mehr unter "Über mich".

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