Der Internist und Autor Marcus Franz sieht Männer zunehmend unter Generalverdacht. In einem Gespräch mit lucasammann.com über sein neues Buch „Wozu noch Männer?“ plädiert er für eine Rückbesinnung auf biologische Unterschiede, kritisiert pauschale Schuldzuweisungen und fordert eine sachlichere Debatte über Geschlechterrollen.
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Mit einem bewusst provokanten Titel sorgt der Arzt und Internist Marcus Franz für Diskussionen. Sein neues Buch trägt den Namen Wozu noch Männer? – eine Frage, die nach Ansicht des Autors den gesellschaftlichen Zeitgeist widerspiegelt. Im Interview erklärt Franz, warum Männer seiner Meinung nach zunehmend verunsichert seien und weshalb die öffentliche Debatte über Geschlechter aus dem Gleichgewicht geraten sei.
Der Titel sei nicht als Angriff auf Frauen gedacht, sondern als Einladung zur Diskussion, betont Franz. Die traditionelle Rolle des Mannes werde heute zunehmend infrage gestellt. Während die Gleichberechtigung der Frau große Fortschritte gebracht habe, beobachte er gleichzeitig eine Entwicklung, in der Männer oft nicht mehr wüssten, welche Erwartungen an sie gestellt würden.
Biologie statt Ideologie
Franz argumentiert, dass biologische Unterschiede zwischen Männern und Frauen auch unterschiedliche gesellschaftliche Rollen begünstigten. Männer seien evolutionär stärker auf Schutz, Sicherheit und Zielorientierung ausgelegt, Frauen verfügten im Durchschnitt über größere soziale Kompetenzen und stärkere Fähigkeiten im zwischenmenschlichen Bereich. Diese Unterschiede dürften seiner Ansicht nach nicht aus ideologischen Gründen geleugnet werden.
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Gleichzeitig betont der Mediziner, dass daraus keine Rückkehr zu überholten patriarchalen Strukturen folgen dürfe. Vielmehr gehe es um eine moderne Interpretation klassischer Rollenbilder. Männer und Frauen sollten gleichberechtigt zusammenarbeiten, ohne biologische Unterschiede grundsätzlich zu negieren.
Kritik an der Debatte über Gewalt
Teil des Buches ist die Diskussion über Gewalt gegen Frauen und den Begriff der „toxischen Männlichkeit“. Franz warnt davor, sämtliche Männer unter Generalverdacht zu stellen. Gewalt sei zweifellos zu verurteilen, werde jedoch nur von einer kleinen Minderheit ausgeübt.
Zugleich verweist der Autor auf Studien, die zeigen würden, dass auch Männer Opfer häuslicher Gewalt seien und dieses Thema gesellschaftlich zu wenig Beachtung finde. Die öffentliche Debatte konzentriere sich zu stark auf männliche Täter und lasse andere Aspekte außer Acht.
MeToo und gesellschaftliche Unsicherheit
Auch die MeToo-Bewegung bewertet Franz differenziert. Sexuelle Übergriffe müssten konsequent verfolgt werden, sagt er. Gleichzeitig beobachte er eine zunehmende Unsicherheit vieler Männer im alltäglichen Umgang mit Frauen. Bereits harmlose Komplimente würden teilweise als problematisch wahrgenommen. Dadurch gehe ein natürlicher Teil zwischenmenschlicher Kommunikation verloren.
Nach seiner Auffassung sollten gegenseitiger Respekt und klare Grenzen weiterhin maßgeblich sein. Gesetzliche Regelungen könnten nicht jede zwischenmenschliche Situation ersetzen.
Migration als zusätzlicher Konfliktpunkt
Im lucasammann.com-Interview äußert sich Franz auch zu kulturellen Unterschieden. Er sieht insbesondere patriarchale Vorstellungen in Teilen migrantischer Milieus als ernstes gesellschaftliches Problem. Gewalt gegen Frauen und mangelnde Integration müssten deutlich konsequenter bekämpft werden. Dabei fordert er strengere staatliche Maßnahmen gegenüber Straftätern und Personen, die sich dauerhaft nicht an die gesellschaftlichen Regeln hielten.
Diese Problematik dürfe seiner Ansicht nach nicht mit einer allgemeinen Kritik an Männern vermischt werden. Vielmehr müsse zwischen unterschiedlichen kulturellen Hintergründen differenziert werden.
Plädoyer für eine neue Debatte
Franz versteht sein Buch als Beitrag zu einer aus seiner Sicht emotional aufgeladenen Diskussion. Er fordert mehr Sachlichkeit und eine Rückkehr zu einer Debatte, die biologische Erkenntnisse, gesellschaftliche Entwicklungen und individuelle Verantwortung gleichermaßen berücksichtigt.
Ob seine Thesen überzeugen oder Widerspruch hervorrufen, dürfte auch der bewusst provokante Titel seines rund 80 Seiten starken Buches erreichen: Die Frage „Wozu noch Männer?“ soll nach Vorstellung des Autors vor allem eines auslösen – eine gesellschaftliche Diskussion über die Rolle von Mann und Frau im 21. Jahrhundert.
