Wie die Generation Z – also meine Generation – von den digitalen Medien krank geworden ist und wie sie damit ihr Leben zerstört. Ein persönlicher Beitrag von Lucas Ammann.
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Heute endet wenn Sie so wollen mein bisher aufwändigstes journalistisches Projekt, das Sie – wenn Sie wollen – gewissermaßen als Sozialexperiment beschreiben können. Über Jahre war ich nun in den oberflächlichen „sozialen Medien“ wie Instagram & Co digital unterwegs. Ergebnis: Die meisten jungen Menschen müssen wohl suchtkrank nach diesen süchtigmachenden Apps sein. Und: Viele von Ihnen leben in einer digitalen Parallelwelt. Lassen Sie mich das heute mit Studien und Erfahrungstatsachen beweisen.
Starten wir vielleicht gleich mit dem Problem der digitalen Medien: Junge Menschen haben heute im Schnitt eine Bildschirmzeit von bis zu 14 Stunden. Das heißt: Den Großteil des Tages, in dem sie wach sind, starren die jungen Menschen in ein Handy (oder sonstiges Gerät). Und das überall: Beim Ausgehen, an der Uni oder in der Schule, beim Treffen mit Gleichaltrigen, bei der Arbeit, vor dem Zubettgehen, nach dem Aufstehen, im Urlaub oder auf Reisen, sogar auf der Toilette. Immer sind die „sozialen Medien“ präsent – obwohl man aus Studien weiß, dass der digitale Kontakt eben nicht den physischen ersetzt.
Der digitale Trieb
Grund dafür: Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen haben Angst, etwas zu verpassen. Sie könnten ja eine wichtige Nachricht erhalten. In den allermeisten Fällen ist es zwar eh nur Schrott, was so auf den Handys der Jungen landet. Aber genau das ist die Sucht. Es könnte ja wichtig sein. Und: Man will beliebt sein, möglichst viele Likes sammeln, gemocht, ja „geliebt“ werden. Deshalb sind die jungen User auch auf der ständigen Suche nach Bestätigung: Bin ich attraktiv genug? Schön genug? Symapathisch genug? Das artet dann soweit aus, dass Sie als junger Mensch dann eine Anfrage für ein Treffen bekommen – und wenn Sie gleich zusagen, sind Sie schon uninteressant. Weil Sie „beschäftigt“ sein müssen, um attraktiv genug zu sein.
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In meinem persönlichen Erfahrungen war das auch so: Gibt man sich vielbeschäftigt, ist man nicht etwa zu anstrengend, sondern erst recht interessant. Sagt man zu, weil man sich wirklich treffen will, hat das Gegenüber plötzlich dann doch keine Zeit. Was steckt dahinter? Die Sucht nach der Bestätigung: Würde er/sie sich wirklich mit mir treffen? Ein klares Ja reicht dann. Den Rest der Zeit verbringt Gleichaltrige in der digitalen Welt. Ich werde dazu noch Fallbeispiele veröffentlichen.
„Es geht um die Verwirklichung narzisstischer Selbstdarstellungsbedürfnisse“
Der Philosoph Byung-Chul Han beschreibt die digitalen Medien als „Affektmedium“. „Das affectum schreit und erregt. Es bringt nur sprachlose Erregung und Reize hervor, die ein unmittelbares Gefallen auslösen“. Das ist wiederum die Begründung dafür, warum uns ständig „Nachrichten untergehen“ – man bekommt eine „Direct Message“ oder eine „Pushnachricht“, sieht/liest und wenn man nicht in der Sekunde antworten will, ist es schon wieder uninteressant – weil man ja noch mit 500 anderen „Online-Freunden“ schreibt (die meisten davon kennen die Jugendlichen nicht einmal persönlich), die ja Spannenderes zu berichten haben könnten. Der nächste Reiz, der nächste Affekt.
„Die digitale Welt ist eine narzisstische Welt. Das heißt, es geht um die Verwirklichung narzisstischer Selbstdarstellungsbedürfnisse. (…) Es ist also das Begehren da, sich selbst darzustellen und sich selbst zu inszenieren. (…) Die digitale Erwartungshaltung ist: Wie kann ich aus mir was Besonderes machen und wo kann ich mich ‚geil‘ selbstdarstellen“, sagte der Soziologe Bernhard Heinzlmaier bereits vor Jahren in einem Vortrag.
Die Wachtel
„Vergessen Sie nicht den Aspekt des Narzissmus: Diese Medien stimulieren unglaublich das narzisstische Bedürfnis der Menschen. Es interssiert mich als User, mich wichtig zu machen – und die anderen machen sich auch wichtig. Aber kommuniziert wird nicht miteinander, es machen sich nur alle wichtig.“
In diesem Zusammenhang ist auch interessant, wie der Soziologe die Generation insgesamt beschreibt: „Man kann sie mit einem Vogel vergleichen, der Wachtel. Die Wachtel ist ein sehr egozentrischer Vogel, baut keine Nester, die Jungen sind Nestflüchter. Sie haben kein Bedürfnis nach Heimat. Die Wachtel ist permanent unterwegs und lässt sich nirgendwo nieder. Das heißt: Ein egozentrischer Vogel, der ständig auf der Reise ist, auf der Suche nach neuen Abenteuern ist.“ Und das ist der Grund, warum sie von den meisten jungen Menschen keine ehrliche Meinung mehr hören: Sie sind von Grund auf opportunistisch, verlogen und angepasst.
Verlogen
„Um Schamgefühle zu vermeiden, lernen Jugendliche Wünsche und Verhaltensweisen zu verbergen, die nicht mit sozialen Normen übereinstimmen. Sie werden unbewusst und treten einem selbst als Fremde gegenüber“, schreibt Johanna Niendorfer (Niendorf, Johanna (2024). Das ist so viel in mir. Adoleszente Konflikte und gesellschaftliche Krisendynamiken. Eine Fallanalyse. Zeitschrift für Religion, Gesellschaft und Politik (8): 357–390.). Anders gesagt: Sie hören nicht die Wahrheit, sondern das, was der junge Mensch glaubt, dass bei Ihnen gut ankommt.
Fortsetzung folgt …
