Drohungen gegen "Profil"? Lucasammann.com hat nachgefragt. | Bild ©privat/la

Die Kritik am ORF-Stiftungsratsvorsitzenden Heinz Lederer (SPÖ) reißt nicht ab. „Profil“-Chefredakteurin Anna Thalhammer veröffentlicht Zitate aus einem Drohanruf, der in der „Profil“-Geschäftsführung eingegangen sein soll. Nach einem Artikel über den ORF soll Lederer – und das ist völlig unüblich – in der Geschäftsführung des Nachrichtenmagazins angerufen haben, um sich über die Berichterstattung zu beschweren. Von einer „Kriegserklärung gegen den ORF“ sei die Rede gewesen – und es seien sogar Konsequenzen für Thalhammer im ORF angedroht worden. Lucasammann.com stellte eine Presseanfrage an Lederer.

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Es waren noch vergleichsweise selige Zeiten im ORF, als das Nachrichtenmagazin „Profil“ ein Cover über ORF-Stiftungsrat Peter Westenthaler (FPÖ) gestaltete. Das Cover war kritisch bis negativ, Westenthaler wurde als „Kickls Abrissbirne“, als „Mann für Atomschläge“ und als „Kickls Mann fürs Grobe“ bezeichnet. Man muss wissen: Westenthaler und Lederer gelten als große Gegner, Lederer ließ sogar eine neue Geschäftsordnung beschließen, um dem – geht es nach Meinung seiner Fraktion – oft zu ausschweifend fragenden Herrn Westenthaler zu bremsen („lex Westenthaler“).

Dennoch – oder vielleicht gerade weil Westenthaler auf ein Cover gehoben wurde – scheint die Berichterstattung des „Profil“ dem roten Stiftungsratsvorsitzenden gar nicht zu gefallen. Wie Chefredakteurin Thalhammer nun auf „X“ veröffentlicht, habe Lederer nach dem Westenthaler-Cover in der „Profil“-Geschäftsführung angerufen und von einer „Kriegserklärung gegen den ORF“ gesprochen und mit „Konsequenzen“ für Thalhammer „im ORF gedroht, wenn’s so weitergeht“, heißt es im Tweet.

Gleich zwei Anrufe?

Daraufhin habe Thalhammer Herrn Lederer geschrieben, er habe ja ihre Nummer – er könne sich „gern“ an sie wenden. Interventionsversuche sind in Österreich zwar eine durchaus übliche Unart, als Stiftungsratsvorsitzender eines öffentlich-rechtlichen Medienhauses aber verpönt – Interventionen zählen nach dem ORF-G und der GO des Stiftungsrates nicht zum Aufgabenfeld eines Stiftungsratsvorsitzenden.

Noch unüblicher ist aber, dass solche Anrufe – wie es im konkreten Fall gewesen sein soll – direkt an die für wirtschaftliche Angelegenheiten zuständige Geschäftsführung – und nicht an die redaktionell verantwortliche Chefredaktion gerichtet werden. Noch schlimmer: Nach Thalhammers Bitte, sich doch direkt an sie zu wenden, habe Lederer erneut in der Geschäftsführung angerufen.

Rücktritt gefordert

In den sozialen Medien führen Lederers (angebliche) Versuche, auf ein unabhängiges Medienhaus Einfluss zu nehmen, zu heftiger Kritik. Viele Poster fordern den Rücktritt Lederers – auch die FPÖ reagierte mit deutlicher Kritik.

Eine Anfrage, die Fragen zur Kommunikation mit der Chefredaktion von 'Profil' und zur Kontaktaufnahme mit Journalisten des österreichischen Privatmediensektors stellt.
Lucasammann.com-Anfrage an SP-Lederer

Lucasammann.com stellte an Heinz Lederer eine Presseanfrage und wollte wissen: Hat das Gespräch so stattgefunden, was waren die genauen Inhalte und weshalb droht ein Stiftungsratsvorsitzender einer Chefredakteurin über ihre Geschäftsführung mit persönlichen Konsequenzen? Und: Ruft Lederer öfter in Redaktionen an, um sich zu beschweren?

Bislang liegt keine Antwort vor. Lucasammann.com hält auf dem Laufenden …

Von Lucas Ammann

Lucas Ammann ist Blogger und schreibt hier über Themen, die ihn persönlich betreffen und berühren. Zuvor war er bereits für diverse österreichische Medienhäuser tätig. Mehr unter "Über mich".

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