ORF in der Kritik | KI-generiertes Symbolbild

Das Nachrichtenmagazin „Profil“ berichtet über historisch einmalige Vorgänge im ORF: Der rote Stiftungsratschef im Staatsfunk soll sich zu mehreren operativen Projektbesprechungen rundum den Umbau des ORF-Funkhauses in der Argentinierstraße gesellt haben. „Das hat es bisher noch nicht gegeben“ – schreibt das bekannte Investigativmedium. Es geht um Verstrickungen und Interessenskonflikte, Lederer ist gleichzeitig PR-Berater. Stiftungsrat Westenthaler und SPÖ-Landeshauptmann Doskozil fordern Lederers Rücktritt.

„Geschäftemacherei gegen die Interessen des ORF“ wirft die FPÖ – namentlich deren Generalsekretär Christian Hafenecker – dem roten ORF-Stiftungsratsvorsitzenden Heinz Lederer vor. Es geht um einen Interessenskonflikt Lederers: Bablers Mann im Stiftungsrat ist nämlich gleichzeitig PR-Berater und hat eine eigene Agentur. Gleichzeitig mischt er sich – obwohl er nur Teil des Aufsichtsorgans Stiftungsrat ist – offenbar in die operative Geschäftsführung, der er nicht angehört(e), ein. Lederer weist jede Schuld von sich.

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Lederer beriet nämlich jenen Bauunternehmer, an den der ORF das Funkhaus verkaufte – Lederer bestätigte Medien gegenüber, dass er ein offizielles Beratungsmandat für diesen Bauunternehmer innehatte. Lustiger Zufall: Das Beratungsmandat endete interessanterweise genau zwei Tage vor einem jener operativen Treffen, bei denen Lederer zumindest beiwohnte. Das Problem hierbei ist nicht nur, dass Lederer als Aufsichtsorgan in einem solchen Meeting nichts verloren hätte – sondern auch etwa, dass er vom Vertragspartner ORF – also der Gegenseite – somit Informationen interner Art bekommen hätte können. Die er für seinen Auftraggeber – den Bauunternehmer – hätte verwerten können. Zumindest theoretisch, ganz von der Hand zu weisen ist es jedenfalls nicht.

Mehrere Beratungsmandate

Auch andere Nebentätigkeiten Lederers werden massiv kritisiert, etwa sein Engagement als PR-Berater beim Österreichischen Skiverband (ÖSV) – zwischen ORF und ÖSV geht es um Übertragungsrechte in Millionenhöhe. Lederer sieht darin kein Problem: „Alle Beratungsleistungen im Rahmen meiner beruflichen Tätigkeit als Unternehmer und nicht als Aufsichtsrat sind hinsichtlich der Vereinbarkeit mit meiner Funktion im ORF-Stiftungsrat geprüft und stehen in keinem Zusammenhang und schon gar nicht im Widerspruch zu den Interessen des ORF“, betont Lederer in einer ORF-Presseaussendung.

Interessant: Lederer darf offenbar über den ORF-Presseaccount (APA-OTS) seine subjektive Sicht der Dinge aussenden, obwohl ihm ansonsten eigentlich keine solchen Sonderrechte zustehen. Auf dem Server werden ansonsten offizielle Statements des ORF ausgesendet und es stellt sich die Frage, ob andere Stiftungsräte diese PR-Macht auch für sich nützen dürften, wenn sie sich mit Vorwürfen konfrontiert sähen? Immerhin korrekt: Seinen Kollegen im Stiftungsrat, FPÖ-Mann Peter Westenthaler kritisierte Lederer in der Aussendung nicht.

Rücktritt gefordert

Dieser – Westenthaler – fordert nämlich vehement seinen Rücktritt. Westenthaler sieht massive Interessenskonflikte auch in Zusammenhang mit anderen Fällen, etwa ein „Beratungsmandat beim Benko-Anwalt, während der Zeit als Benko und Signa auch in der ORF-Kritik standen“, wie es auf der Facebookseite des blauen Stiftungsrats heißt. Lederer weist all diese Vorwürfe „aufs Schärfste zurück“ und beklagt sich, dass über die Weißmann-Causa zu wenig berichtet werde.

Westenthaler ist aber nicht der Einzige, der Lederers Rücktritt fordert: Sogar vom roten burgenländischen Landeshauptmann kommt eine ausdrückliche Rücktrittsforderung in Richtung Lederer. Es gehe nicht, dass „jemand bei einer Transaktion, bei der ORF-Immobilien betroffen sind, auf beiden Seiten sitzt“, so Hans-Peter Doskozil gegenüber der Tageszeitung „Heute“. „Heinz Lederer muss zurücktreten“, sagt der burgenländische Landeshauptmann klar in Richtung Lederer.

Interessant: Kaum steht Lederer mit – zumindest moralisch – fraglichen Geschäften im Fokus, will er das Scheinwerferlicht wieder auf den skurrilen Streit einer ORF-Mitarbeiterin und Ex-GD Weißmann werfen. Vielleicht wäre ihm das ohnehin lieber, denn politisch befreundet waren Weißmann und Lederer ja nicht … Ob Lederer ein Interesse am Weißmann-Rücktritt hatte, kann nicht behauptet werden, jedenfalls wirft ihm Ex-GD Weißmann vor, Druck auf ihn ausgeübt zu haben. Auch das bestreitet Lederer … Natürlich …

Von Lucas Ammann

Lucas Ammann ist Blogger und schreibt hier über Themen, die ihn persönlich betreffen und berühren. Zuvor war er bereits für diverse österreichische Medienhäuser tätig. Mehr unter "Über mich".

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